
Jüdische Gespräche – Dr. Grigori Pantijelew lädt zum Gespräch
Beschreibung
In der letzten Runde fragten wir uns, warum Halévys Jude in „La Juive“ (1835) „französisch-italienisch“ singt. Nun fragen wir weiter: Was geschah mit seinem Gesang, nachdem er die Bühne verlassen hatte? Wir betreten die Kehrseite der Medaille. Wir springen 70 Jahre weiter, in die Salons und Bordelle von Marcel Prousts Paris. Hier wird Halévys erhabenste Arie, der Schmerzensschrei des Vaters Éléazar, zu einem grausamen Witz – dem Spitznamen für eine jüdische Prostituierte namens Rachel. Proust, selbst Sohn einer jüdischen Mutter, inszeniert diesen Moment. Anhand dieser einen, perfekten und grausamen literarischen Geste wollen wir in die 21. Gesprächsrunde kommen: Ist das ein Akt des jüdischen Selbsthasses? Eine brillante Analyse des salonfähigen Antisemitismus als eine hochliterarische Sezierung der Sitten? Oder beides?
Grigori Pantijelew, geb. 1958 in Moskau, ist promovierter Musikwissenschaftler, Dirigent, Publizist und lebt seit 1994 in Bremen. Hier ist er als Musiker und Hochschullehrer gut bekannt. Seit Jahrzehnten vertritt er die Jüdische Gemeinde nach außen in verschiedenen Gremien. Die Idee für das Format „Jüdische Gespräche“ ist aus dem Gedankenaustausch im „Forum für die Förderung und Sichtbarmachung des jüdischen Lebens in Bremen“ entstanden. Pantijelew möchte als Moderator mit Humor, aber auch Ernsthaftigkeit alle Zuhörenden erreichen und ins gemeinsame Gespräch einbinden.
Koop: Jüdische Gemeinde im Lande Bremen.
