Fotografie von Grigori Pantijelew.

Jüdische Gespräche – Dr. Grigori Pantijelew lädt zum Gespräch

Beschreibung

Wir haben in zwei bisherigen Gesprächen leidenschaftlich diskutiert, ob der Mensch sich von innen nach außen formt (Peterson) oder ob das äußere System den inneren Menschen prägt (Clear). Nun wagen wir den Blick zurück – nicht in die Moderne, sondern in die jüdische Geistesgeschichte, wo dieser Streit schon vor acht Jahrhunderten mit bemerkenswerter Schärfe geführt wurde.
Es ist das ewige Duell zweier Grundhaltungen: „Pflichten des Herzens“ gegen „Kraft der Taten“.
Auf der einen Seite steht Bahya ibn Paquda. Er sagt: Die äußere Handlung ist nur ein Körper ohne Seele, wenn nicht das Herz mit ihr übereinstimmt. Warte nicht auf die Tat, um gut zu werden – werde erst im Inneren wahrhaftig, sonst bleibt alles Makulatur.
Auf der anderen Seite steht der Sefer HaChinuch. Er sagt: „Der Mensch wird nach seinen Handlungen geformt.“ Warte nicht auf die rechte Gesinnung. Handle – systematisch, täglich, fast mechanisch – und die innere Einstellung wird folgen, ob du willst oder nicht.
Wir lesen die Texte dieser beiden Denker und stellen sie zwei modernen Autoren gegenüber: Antoine de Saint-Exupéry, der sagt, man müsse erst die Sehnsucht wecken, bevor man handelt – und James Clear, der sagt, man müsse erst handeln, und die Gesinnung wird folgen. Wie kommt es, dass dieser Streit schon vor acht Jahrhunderten mit derselben Schärfe geführt wurde? Und wer hat recht? Müssen wir erst „fertig“ sein, bevor wir handeln dürfen (und riskieren dabei, nie zu beginnen)? Oder täuschen wir uns, wenn wir glauben, durch bloßes Tun schon gute Menschen zu werden (und riskieren dabei, zu Automaten zu verkommen)?
Können wir beides haben – die Wahrhaftigkeit des Herzens und die Disziplin der Tat – oder sind das zwei unvereinbare Wege zur Selbstverwirklichung?

Die nächste, die 20. Gesprächsrunde findet statt am Mittwoch, 9. September 2026.

Grigori Pantijelew, geb. 1958 in Moskau, ist promovierter Musikwissenschaftler, Dirigent, Publizist und lebt seit 1994 in Bremen. Hier ist er als Musiker und Hochschullehrer gut bekannt. Seit Jahrzehnten vertritt er die Jüdische Gemeinde nach außen in verschiedenen Gremien. Die Idee für das Format „Jüdische Gespräche“ ist aus dem Gedankenaustausch im „Forum für die Förderung und Sichtbarmachung des jüdischen Lebens in Bremen“ entstanden. Pantijelew möchte als Moderator mit Humor, aber auch Ernsthaftigkeit alle Zuhörenden erreichen und ins gemeinsame Gespräch einbinden.

Koop: Jüdische Gemeinde im Lande Bremen.

Wo und wann

Mi, 10.06.2026 ab 17:00
Zentralbibliothek
Krimibibliothek im 2. OG

Kostenlose Veranstaltung