
Jüdische Gespräche – Dr. Grigori Pantijelew lädt zum Gespräch
Beschreibung
Mit der 17. Runde beginnen wir eine dreiteilige Reihe, die eine alte Frage stellt: Wie findet ein konkreter Mensch seinen Weg heute? Und wir beginnen bewusst mit einer der umstrittensten Figuren der Gegenwart: Jordan Peterson. Seine Person und viele seiner Thesen polarisieren stark – oft aus gutem Grund. Doch wir wollen uns an diesem Abend nicht auf die Kontroversen um den Mann konzentrieren, sondern eine einzige, scheinbar simple Idee von ihm herausgreifen, die millionenfach Resonanz gefunden hat: „Räum erst einmal dein Zimmer auf, bevor du die Welt kritisierst.“
Der Abend bietet damit, wie immer, eine scheinbar subtile Vorlage für eine grundsätzliche Diskussion an: Kann man eine potenziell wertvolle Einsicht von einem umstrittenen Denker trennen? Wir nehmen einen Gedanken für sich und prüfen seine Substanz, unabhängig von den Kontroversen um seinen Urheber. Die jüdische Tradition bietet dafür reiche Vorbilder, denn sie hat stets die Auseinandersetzung mit dem Argument selbst gepflegt. Können wir die Komplexität ertragen, den Gedanken prüfen und eine reale oder vermeintliche Autorität kritisieren, ohne uns selbst das Denken zu verbieten?
Grigori Pantijelew, geb. 1958 in Moskau, ist promovierter Musikwissenschaftler, Dirigent, Publizist und lebt seit 1994 in Bremen. Hier ist er als Musiker und Hochschullehrer gut bekannt. Seit Jahrzehnten vertritt er die Jüdische Gemeinde nach außen in verschiedenen Gremien. Die Idee für das Format „Jüdische Gespräche“ ist aus dem Gedankenaustausch im „Forum für die Förderung und Sichtbarmachung des jüdischen Lebens in Bremen“ entstanden. Pantijelew möchte als Moderator mit Humor, aber auch Ernsthaftigkeit alle Zuhörenden erreichen und ins gemeinsame Gespräch einbinden.
Die 18. Runde der „Jüdischen Gespräche“ findet am 20. Mai 2026 statt:
Nach der bewussten Auseinandersetzung mit der kontroversen Figur Jordan Peterson wenden wir uns nun einem Denker zu, der auf den ersten Blick das genaue Gegenteil ist: James Clear, der unideologische Pragmatiker.
Anstelle von existenziellen Appellen bietet er eine technische Anleitung. Seine These in „Die 1%-Methode“ klingt fast schon wie eine Erleichterung: Vergiss die Willenskraft. Wer sich nur auf seinen Charakter verlässt, hat schon verloren. Clear sagt: „Du fällst auf das Niveau deiner Systeme herab.“ Wir lesen seine Texte über die „Gestaltung der Umgebung“ und fragen uns: Ist dieser rein technische Ansatz vielleicht der klügere, der sicherere Weg zur Selbstveränderung – gerade weil er auf die große, streitbare Weltanschauung verzichtet? Oder verlieren wir dabei etwas Wesentliches, das gerade in der Reibung mit dem Schwierigen liegt? Wir diskutieren, ob die moderne Verhaltensforschung hier das alte jüdische Prinzip bestätigt, dass „die Herzen den Taten folgen“.
Koop: Jüdische Gemeinde im Lande Bremen.
